• Ramona

Patanjali's Yogasutra


So viele Yogaangebote weltweit und alle Versprechen Gesundheit, Glück und Zufriedenheit. Yoga werden viele Wunderkünste zugesprochen, davon kann sie eine Handvoll wirklich erfüllen. Welche Wunderkunst war es, die die alten Yogis von damals, verführte sich dem Yoga zu widmen? 

Ein Yogi war - grob ausgedrückt und generalisiert- stets daran interessiert Erlösung und Erleuchtung zu erlangen. Erlösung von allem weltlichem, gleichgesetzt mit Elend und Krankheit. Und Erleuchtung im Sinne von "Erwachen des Wahren Ichs; der Seele" und der damit verbundenen Loslösung des Karmas. 


Dabei gab & gibt es viele Yoga-Wege und Traditionen. Eine der ältesten sind die Askese-Yogis. Sie entschliessen sich für die radikale Abwendung von allem weltlichem & verlassen Familie und Bekanntes. Radikalität kann in dieser Tradition viele Formen annehmen, von Hungern bis zu Selbstpeinigung gibt es viele Arten wie sich Asketische Yogis von der Verzahnung des Egos zur Seele lösen möchten. 

Hier sieht man ein Asket am entspannen. Auf einem Nagelbett. 


Der Wandel

Der moderne Yogaschüler möchte wohl kaum auf Komfort, Netflix-Abo oder Lululemon-Pants verzichten, aber trotzdem streben eben diese Yogis nach mehr.

Was ist es, dass Yoga bekannt machte als "Happiness-Booster" oder Anti-Depressionsmittel? Wenn wir nicht nach Erleuchtung streben, dann aber sicher noch nach Erlösung von Leid. Einer der Yoga so richtig nach vorne katapultierte, bzw. für ein breites Publikum verständlich und nachvollziehbar machte, war der grosse Patanjali. Ihm verdanken wir vieles. Er hat es geschafft Yoga sanfter und lebensliebender zu gestalten. Worte wie "Mitgefühl" und "Achtsamkeit" finden in seinen Werken erste Bedeutung. Er war einer der ersten die Yoga in eine lebensbejahende Sprache übersetzte. Und auch die Asana- das Ausüben von Körperstellungen (Today's Yoga), bekamen ihren eigenen Stellenwert.


Patanjali und das Yogasutra

Patanjali lebte wahrscheinlich zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert nach Christus. Er verfasste das Yogasutra und gilt in vielen Kreisen als der Vater des Yogas. Patanjalis System weist grosse Ähnlichkeiten mit dem System des Buddhismus auf. Man nimmt deshalb an dass Patanjali von der Tradition beeinflusst wurde, oder umgekehrt Buddha von Patanjali. Seine Gewaltlosigkeit und Achtsamkeit der Umwelt gegenüber zieht Parallelen zu buddhistischen Grundsätzen (oder eben vice versa..)


Bedeutung & Mythologie des Patanjali

"Anjali" = Verneigung

"Pata" = meisterlich; aber auch "letztendlich" oder "endlich"


So ist Patanjali derjenige der einen zur letzten Verneigung hinführt (=Erlösung).


Patanjali als Naga = der Schlangenmensch

Patanjali wird in vielen Kunstwerken und Erzählungen als Naga (=Schlangenmensch) dargestellt. Seine Figur ist ein Schlangenunterkörper und ein menschlicher Oberkörper. Er wird in der indischen Mythologie als Inkarnation der Weltenschlange Shesha angesehen. Und so symbolisiert er auch, dass er tief ins Unterbewusstsein geht = dafür steht der Schlangenkörper. 


DAS YOGASUTRA

Das Yogasutra von Patanjali ist eine Abhandlung über den menschlichen Geist. Seit Jahrhunderten wird es immer wieder neu interpretiert und ist heute im Westen der meist kommentierte klassische Yogatext überhaupt. Viele Kritiker weisen daraufhin, dass nahezu alles aus den Yogasutra schon-dagewesene-Informationen über Raja Yoga sind. Also keine Originalität aufweist und somit dem Thron des Vaters nicht gerecht wird. Dies stimmt insofern, dass selbst Patanjali darauf hinwies, dass alle Philosophien auf den Schultern von früheren Gelehrten und Weisen stehen. "There is nothing new under the sun".

Er war einfach einer der Ersten, dem es gelang das Raja und Hatha Yoga gekonnt zusammenzuführen. Man findet in seinen Sutras auch Hinweise zu Tantrischen Einflüssen, Kundalini-Energie, Karma Yoga usw. Patanjalis Philosophie sollte deshalb nicht als die "eine alte Schule" betrachtet werden, sondern eher als Zusammenführung von kollektivem Wissen. 


Raja Yoga: Yoga dessen Schwerpunkt auf der Kontrolle und Entwicklung des Geistes liegt


Der achtgliedrige Pfad

Der achtgliedrige Pfad in den Yogasutras ist eine der berühmtesten Kapitel der Patanjali Sutras. Dieser Pfad stellt eine Art Hilfsprogramm zur Überwindung der weltlichen Hindernisse dar, die den Geist immer wieder aus der Ruhe bringen. Menschliches Leid (bspw. Depression, Angstzustände, Burnout, Sucht, Krankheit) entsteht durch die Missachtung wichtiger Prinzipien. Folgt man dem 8-gliedrigen Pfad können solche Hürden umgangen bzw. geheilt werden. 

Das Wiedererlernen solcher Prinzipien kann durch das Studieren & Einhalten der 8 Pfade von Patanjali erfolgen. 


Der Pfad auf einen Blick

1. Die YAMAS : Unser Umgang mit der Umwelt

2. Die NiYAMAS: Der Umgang mit sich selbst

3. ASANA: Der Umgang mit unserem Körper

4. PRANAYAMA: Der Umgang und die Beherrschung des Atems

5. PRATAYAHARA: das Beherrschen der Sinne

6. SAMYAMA: der Umgang mit dem Geist

7. DHARANA: Konzentration

8. DHYANA: Meditation

SAMADHI: das Höchste: innerer Frieden


Yama und Niyama: Yogische Ethik

Die Yamas und Niyamas sind höchst philosophische Zweige und ultra spannend, nimmt man sich die Zeit um darin einzutauchen. Sie sind die geistigen Regeln eines Yogis

Die ersten zwei Zweige des Patanjali Pfades beschäftigen sich damit, wie wir als Mensch unsere Umwelt und uns selbst behandeln. 


Ein Beispiel wäre die 1.Regel der Yama "AHIMSA": Gewaltlosigkeit und wohlüberlegter Umgang mit allen Lebewesen. Oder die 4.Regel der Niyamas: "SVADHAYA": Das Gebot der Selbsterforschung. Die Pflicht eines Yogis zur kritischen Selbstreflexion. "Sich erkennen" und auf Wissenssuche gehen. Mit SVADHAYA im Hinterkopf ist man immer Schüler. 


Die Asana-Praxis

Das dritte Glied des Yogapfads sind die körperlichen Übungen, auch genannt Asana. In unserem Verständnis sind sie für viele der Kern des Yogas.

Im "klassischen" Yogasutra sind sie jedoch einfach nur einer von vielen Schritten. Patanjali sah die Asana vor allem als Vorbereitung zur Meditation und besserer Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und Erkenntnis.


Pranayama

Das Yogasutra und allgemein die Yogaszene und Historie geht davon aus, dass es mit bestimmten Atemtechniken möglich ist, die Lebensenergie zum Fliessen zu bringen. Patanjali und viele andere Yogis waren (& sind) der festen Überzeugung, dass die Atmung unsere Lebensenergie (Prana) steuert. Gleichmässige, tiefe Atmung reguliert Energieungleichheiten und reinigt die Chakras. Feueratmung und schnelle Atmung stimulieren dagegen unser Prana auf energetisierende und aufweckende Weise.


Pratyahara

Der 5. Pfad (Also genau der mittlere Pfad) trennt die ersten 4 Zweige von den letzten 4 Zweigen. Pratyahara stellt der Schnitt zwischen der äusseren Welt (Wie wir handeln, was wir tun, wie wir in der Welt interagieren) und unserer eigenen, inneren Welt dar. 

Statt sich von äusseren Reizen ablenken zu lassen, versucht man durch die Praxis des Pratyahara seine ganze Aufmerksamkeit nach innen zu lenken. Gelingt es mir eine Meditation zu führen, auch wenn der Strassenlärm durch mein Fenster dringt? 

Aber auch die gezielte und durchdachte Aufnahme von Sinneseindrücken ist wichtig. Wir achten zwar darauf, was wir essen und mit wem wir eine Wohnung teilen, doch bei den Sinneseindrücken sind wir nicht so wählerisch. Wir scrollen stundenlang über irgendwelche Socialmedia-Feeds ohne uns Gedanken zu machen, welche Qualität diese Eindrücke für unsere Sinne haben.


Dharana

In der darauf folgenden 6.Stufe wird nun die gesamte Aufmerksamkeit auf einen ganz bestimmten Punkt in sich selbst gerichtet. Dies kann beispielsweise die Konzentration auf ein bestimmtes Körperteil sein, aber auch ein Mantra. 

Wenn du mit tiefem Interesse in ein Buch versunken bist, hörst du nicht wenn einer dich beim Namen ruft. Du riechst den süssen Duft der Blumen nicht, die neben dir auf dem Tisch stehen. Solch eine Konzentration ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Meditation im Yoga. 

Dharana kann man in einer körperlichen (Asana-Betonten) Yogapraxis wie Vinyasa üben. Man versucht sich in jeder Haltung auf ein bestimmtes, auserwähltes Körperteil zu konzentrieren und wirklich in das Körpergefühl einzutauchen. 


Bspw. in Savasana: Welches Körperteil fühlt sich am schwersten an? Welcher Teil von meinem Körper sinkt am tiefsten in die Matte hinein? 


Oder man versucht beim nächsten Gespräch sich wirklich auf die Person zu konzentrieren und 100% mental dabei zu sein. Das ist alles Dharana.


Übrigens ist Dharana etwas, dass unsere junge Generation nahezu verlernt hat. Wir sind eine Instant-Gratifikation Generation, die ein sehr tiefes Konzentrationslevel hat.


Dyana

Der eigentliche Kern des Yogas. Und worauf uns alle Zweige davor hintrainieren: die Meditation. Der Geist soll fähig sein, in sich Ruhen zu können. In dieser Ruheposition, fernab von weltlicher Hektik und materieller Belanglosigkeit, soll der Geist Zeit und Raum haben, sein Bewusstsein zu erweitern. 

Meditation ist das Aneinanderreihen und Hinauszögern von Gedankenlosigkeit. Durch diesen neugewonnen Raum im Kopf, kann sich mit genug Übung und Geduld neue und intuitivere Information Platz im Kopf machen. 


Samadhi (Frieden)

Mit Samadhi hat der Yogi die höchste Stufe des Yogas erreicht. In dieser Phase, die auch als göttliche Erfahrung bezeichnet wird, ist der Yogi frei von Äusserem und erlangt reine Erkenntnis. Sozusagen den "he knows shit"-Level.

In Samadhi verschmilzt der Geist vollständig mit dem Gegenstand der Meditation. Die Unterscheidung zwischen der äusseren und inneren Welt löst sich langsam auf. Hier hört die Dualität auf zu existieren und man wird Eins (mit sich und dem Universum).

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